1. Oft, wenn wir nicht wissen wie und ob wir es sagen sollen, schreiben wir es auf. Das tut nicht so weh auf der Zunge und man kann so oft neu beginnen mit den Worten, bis man es für richtig gesagt hält. Dazu suchen wir einen Stift, der uns mit fester Mine und weiten Bögen auf dem Papier vertritt. Setzen alle Hoffnung in das Alphabet, welches wir durcheinander in immer neue Formen bringen. Und geben es an den Menschen, der Platz hat für unsere Herzensangelegenheit in seiner Manteltasche, seinem Briefkasten oder auf seinen Mailserver, ohne dass er es weis. Solang die Botschaft nur so bald wie irgend möglich aufschlägt auf seiner Oberfläche und dorthin vordringt, wo wir etwas Raum für uns sehen. Dann gehen wir in Deckung. Denn wenn etwas aus dem Herzen in die Wirklichkeit entlassen wird, können schon mal Funken fliegen so groß wie Hochhäuser.
    Während nun unser Gefühl in die Welt hinein explodiert, sitzen wir in einer stillen Ecke und drücken uns die Daumen an Kaffeetassen, Bierflaschen, Tischkanten oder Ohren. Und wünschen uns das Glück, das Verständnis, das wir hinter all der Entfernung vermuten. Und kriegen von all dem was wir wissen wollen nichts mit. Glauben fest daran, dass selbst schnelle Antworten ein Leben lang dauern.
    Um die Reaktion auf unsere winzige Detonation nicht zu verpassen, reißen wir alle Fenster auf, legen uns brennende Streichhölzer in die Augen, lehnen alle Türen an, stellen wir die Uhren auf Sommerzeit, spitzen wir die Ohren mit langen Messern. Und hoffen, dass der andere weis, wie dringend etwas sein kann.
    Wenn alles gut geht, findet man unsere Botschaft sofort. Und wir bekommen dazu auch gleich eine Antwort, die uns in den Brustkorb passt. Wenn alles schief geht, dann findet man unsere Worte Jahre später erst in einer Kiste mit gesammelten Vergangenheiten. Hinter einer mit leisen Liedern bespielten Kassette, die man niemals gehört hat, weil man auf dem Ohr taub war.

     

    tags:  Gedanken 

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Diese Seite dient der Verarbeitung meiner Gesellschaftsunfähigkeit, meiner Verlorenheit und meiner Reizüberflutung. Sie ist Tagebuch, Notizzettel und Klemmbrett eines seltsamen Geistes.

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