Nun, sich auf den Rücken legen und in den Sternenhimmel schauen wäre eine gute Möglichkeit, sich seiner eigenen Unbedeutendheit bewusst zu werden. Dies kann allerdings als bewusstseinserweiternde Praxis noch enorm verfeinert werden, wenn man sich dazu ins Freie legt. Es ist aber nicht jedermanns Sache, sich der Witterung auszusetzen, besonders wenn die Erde dreckig und der Boden hart ist und man die Fähigkeit, sich an schlüpfrigen Gedanken zu erwärmen, schon in der Hochzeitsnacht verloren hat. So mancher verheiratete Mann kennt doch diesen Zustand, welchen nicht nur Berufsmelancholiker massiv Abendschulkurse im Fach “Stricke selber drehen” belegen lässt. Mutter Natur hat uns in ihrer zwanglosen Heiterkeit den Orgasmus gegeben, damit wir zumindest einen vernünftigen Grund haben uns fortzupflanzen. Statt dessen hat man Angst, verliere ich meinen Job, kann ich mir diesen Wahnsinnsfernseher mit einhundertsechsunddreißig-cm-Flachbildschirm nicht mehr leisten. Lächerlich. Aber Angstschweiß erklimmt die Stirn, Herzrasen, Ohrensausen. Danach Herzsausen und Ohrenrasen. Der Intellekt bäumt sich auf. “Nein”, schreit er, “Ich will ich nicht enden wie Tante Margot! Jeden Abend ab 17:30 Uhr im vollgesabberten Schlafanzug auf´s Glücksrad warten.” Doch nun mal ehrlich, sind unsere Ängste bezüglich der Kürze des menschlichen Lebens nicht einfach lächerlich lächerlich, sobald man seinen Blick Richtung der wirklich verdammt langen Zeitspanne des unausweichlichen Todes lenkt? Man wird, alle noch zu erfindenden lebensverlängernden Maßnahmen eingerechnet, vielleicht 130 Jahre alt. Aber tot, tot ist man auf ewig. Also was ist der Wimpernschlag Leben nun dagegen? Nur ein Wimpernschlag. Und sich wegen dieses Wimpernschlages verrückt machen, das wäre doch nun ziemlich verrückt. Wer es aber vor Neugierde nicht mehr lebend aushält, und dem Pro und Kontra einer Auferstehung unbedingt auf den Grund gehen möchte, dem rate ich zu einen halbstündigen Aufenthalt in einer geschlossenen Garage bei laufendem Motor seines Mittelklassewagens. Doch ist das Leben, ich habe es bestimmt schon mal erwähnt, zu kurz um sich ständig aufzuregen. Das Leben ist verdammt reichhaltig. Ein guter Grund, um es zu verschwenden.







